Die GESCHICHTE...

Jeder in Deutschland, der das Wort "Dragster" fehlerfrei buchstabieren kann, hat schon einmal etwas vom "Peter Schöfer Drag Race Team" gehört. Sehen wir uns Das doch mal genauer an.

Peter Schöfer und seine Brueder Wolfgang und Rudi haben dieses Team 84/85 aus dem Nichts mit einer gehörigen Portion Idealismus aufgebaut, - das war aber keineswegs der Anfang von Pat's (wie ihn die meisten nennen) Motorsportkarriere. Zu diesem Zeitpunkt war er naemlich bereits Europameister, allerdings auf zwei Raedern. Aber erst einmal der Reihe nach:

1972, ganz zu Anfang, besorgte sich der gerade 18-jaehrige Pat eine B-Lizenz und trat mit einer Kawasaki und einer Ducati in der 250er Klasse bei kleineren Veranstaltungen an. 1974 ruestete er auf eine gebrauchte Honda um, mit der er dann 1975 den 5. Platz in der Jahresgesamtwertung erzielte.1976 kaufte sich Pat zwei neue Yamaha«s (250 cm3 und 350 cm3) um mit diesem Material im OMK-Pokal anzutreten. Und siehe da: 3. Platz bei den 250er«n und 4. Platz bei den 350er«n in der Gesamtwertung . - Das laesst hoffen. Die internationale A-Lizenz bekam er 1977. Nun mussten es natuetlich 2 neue Rennmaschinen von Helmut Kassner sein, mit "Pat Schöfer Spezialtuning". mit diesem Paket wurde er 1978 Vize-Berg-Europameister.Tja, und dann die Saison 79«. Einerseits wurde Pat Berg-Europameister bei den 250er«n und Vize-Berg-Europameister bei den 350er«n, andererseits beendeten Geldnöte, Verletzungspech und fehlende Sponsoren seine Motorradkarriere.In der folgenden "rennlosen" Zeit entwickelte Pat seine "Schrauberqualitaeten" weiter und entdeckte seine Liebe zu Ami-Autos. Nach dem er einen Mustang, einen Camaro und einen Pontiac Firebird ausgiebigen Tests unterzogen hat landete er zuletzt bei einer Corvette/Big Block mit Sixpackvergasern (und natuerlich etwas "Peter Schöfer Spezieltuning").

Die grosse Initialzuendung erfolgte 1984, als Pat in Hanau eine Drag-Racing Veranstaltung besuchte. Kurz und Gut: In der Saison '85 stellte er einen 400 PS starken Plymouth Roadrunner unter den "Christmastree". - Und er war schnell mit Vorne dabei. In der ET-Klasse erzielte er eine Bestzeit von 13.00 sek. - Das Team war geboren. Das Wort "SCHNELLER" scheint eins der wichtigsten Wörter im Leben der Brueder zu sein. Und so leistete man sich Weihnachten «85 ein nettes Weihnachtsgeschenk: die beruehmte 2CV "Wildente" von Rico Anthes. Das liebe Tierchen kostete 35.000 Mark, hatte einen Chevie Small Block mit 5,1 Litern, soff Hochoktanbenzin, und leistete 650 PS.1987 wurde die erste komplette Saison bestritten - und nachdem der Motor auf Lachgas-Einspritzung umgebaut war wurde es lustig: 3. Platz in der Europameisterschaft und eine Bestmarke von 9,4 sek mit 242 km/h. Nach staendiger Verbesserung des Fahrzeugs in der Saison 88 kam man im Jahr 89 zum erstenmal an einen kritischen Punkt: Durch das staendige Erhöhen der Lachgasmengen (der Motor drehte inzwischen bis auf 11.000 U/min.) haeuften sich die Motorschaeden durch Explosionen dramatisch, des öfteren sah man Wolfgang mit halbem Bart oder eigentuemlich gerötetem Gesicht durchs Fahrerlager laufen - und das Team benötigte in diesem Jahr mehr Motorblöcke als Rennreifen. Aber Sie knackten die 9 Sek.: Bestzeit: 8,9 sek. 245 km/h. Zum Ende der Saison wurden Konsequenzen gezogen und auf Kompressoraufladung umgestiegen.

Der Motor war ein Chevie 5,0 l. Small-Block aus Eisen mit Brodix-Aluköpfen, der von einem Ed-Pink Blower 6-71 auf Trab gebracht wurde und 850 PS leistete. Durch die Umstellung auf die völlig neue Technik waehrend der Rennen kam es natuerlich zu eineigen derben Rueckschlaegen, und so reichte es nur zu einem 13. Platz in der Europameisterschaft.Fuer 1990 hatten Pat und Wolfgang den Motor nochmals komplett ueberarbeitet. Es kam ein 6-71 Littlefield-Blower zum Einsatz (der Motor leistet jetzt ca. 1000 PS), Die Karosserie wurde abgespeckt - und viele Originalteile durch GfK-Teile ersetzt. Es wurden stetige Fortschritte erzielt (8,9 sek. und 250 km/h) und in der Endplazierung der Europameisterschaft erzielten die Schöfer«s den 6. Platz, aber da war es wieder, dieses wichtigste Wort:"Schneller". Und "Schneller" wurde es 1991:

Der neue SUPER-MOTOR!!!, gebraucht und in Einzelteilen - aber von S+S - Automotive/USA. Ð Was fuer ein Teil: Chevie 5,0 l. Small-Block-Vollaluminium mit Brodix Typ 11 Aluköpfen und einem 10-71 Moneyham Blower. Leistung??. - Leistung:!!!! (ca. 1200 PS). Endlich erzielte Pat 1. und 2. Plaetze. Allerdings zeigte die "Wildente" dass sie keine bedrohte, sondern eher eine bedrohliche Tierart ist: Fahrwerk und Karosserie waren mit diesem Motor völlig ueberfordert. Die Vorderraeder waren eigentlich nur vor der Startlinie auf dem Boden, und Pat hatte einige wirklich "wilde" Ritte (8,31 sek. und 260 km/h. 4. Platz Europameisterschaft). Die Technik erwies sich jedoch zunehmend als unbeherrschbar. Ð Wiedereinmal steckte das Team am Saisonende die Köpfe zusammen. Ergebnis: Rico Anthes kaufte die "Wildente" zurueck (Sie ist heute im Auto & Technik Museum in Sinsheim zu bewundern). Aus Schweden wird der "Streamliner", ein Ex-Top Alcohol Dragster angeschafft und in Verbindung mit dem Motor aus der "Wildente" den Vorstellungen der Brueder entsprechend umgebaut. "Umgebaut" bedeutet alles in allem einen Aufwand von ca. 1.000 Arbeitsstunden.Beim ersten DM-Lauf in Alteno erreichte Pat tiefe 8er Zeiten und einen 5. Platz. Im darauffolgenden DM-Lauf in Györ (Ungarn) wieder ein 5. Platz. Wolfgang macht entscheidende Fortschritte bei der Kupplungseinstellung - und Pat kommt mit dem neuen Auto immer besser zu recht. Beim dritten Lauf in Györ erzielt er schon den 2. Platz. In den naechsten Rennen gibt es nur noch 1. Plaetze.

Die Bestzeit liegt bei 7,6 sek. Der top-Speed bei 288 km/h. Die Presse wird langsam aufmerksam, und sogar in der NHRA-Zeitung/USA erscheint ein Artikel ueber das Schöfer-Team. Achja, das Endresultat: Europa-Meisterschaft und DM 1992: Platz 1.Nach Eigenumbauten an der Karosserie und der Neugestaltung der Copckpit-Kanzel kam die Kiste 93 noch besser ins laufen: Erster Competition-Dragster ueber 300 Km/h (Gross Dölln (D) 7,24 sek. 306 km/h). Deutsche Meisterschaft wieder Platz 1 - und Vize-Europameister. Als "Entschaedigung" fuer den "Vize" leistete das Team sich aber folgendes: in Dwingeloo (NL) fuhr Pat auf der 1/8 Meile eine 4,49 mit 250 km/h. Das ist Weltrekord!! Leider war der Lauf nur ein Showrun, wurde somit also nicht offiziell aufgenommen, aber es dauerte 8 Monate um Das zu knacken. Apropos "Show": Pat hat sich schon Duelle mit einem Formel 1-Ferrari (gewonnen) und einer MIG 29 (3:3 unentschieden) geliefert. 1994 beschliesst Wolfgang: Eine Computer-Daten Erfassung muss her. Mit deren Auswertung erzielt er optimale Motor- und Kupplungseinstellungen. Das Resultat: In Hockenheim wird erneut die "300er-Schallmauer" durchbrochen (7,17 sek. bei 311 km/h). Es folgen Siege in Deutschland, England, Frankreich und österreich. Am Jahresende hiess der Deutsche- und Europameister: Peter Schöfer. In amerikanischen Serien nennt man es: "To be continued...": 1995 geht«s munter weiter: Im Rot des neuen Hauptsponsors MPE lackiert, stanzt der Streamliner seine Bestzeiten in den Asphalt von fuenf europaeischen Rennstrecken. Pat wird "2time European Recordholder AA-Comp. Dragster" und stellt eine Bestmarke von 7,084 Sek. bei 316,0 km/h auf. Diese Rekorde bestehen bei Beginn der Saison 1997 immer noch! Der Gewinn der Europameisterschaft und Platz 1. in der DM sind nur der Vollstaendigkeit halber erwaehnt. So könnte man ja weitermachen, aber Richtig: wieder das Wort "Schneller".

1996 wagte man den Aufstieg in die Klasse "Top Alcohol". Der von den Bruedern selbst konstruierte Roh-Rahmen wurde in Schweden, nach Plaenen von Wolfgang Schöfer, bei Peter Lanz geschweisst. Der Fertigbau erfolgte in der Teamwerkstatt in Aich. Und dann kam der Motor: Chevie Small-Block (hatten wir dass nicht schon mal??) 6,2 ltr. Alu. Köpfe: Alu. Titanventile. PSI-Schrauben-Kompressor. Alles in Allem 10.000 U/min. und 2.000 PS um den 785 kg (Rennfertig m. Fahrer) schweren Rear-Engine-Dragster anzuschieben. Pat feierte standesgemaess Einstand: in der Europameisterschaft wurde das Team zum "Rookie of the Year" gewaehlt. In England stellte die Brueder das Fahrzeug als "TOP QUALIFIER" auf den ersten Startplatz, was Ihnen auch aufgrund der gesamten Performance den Titel "Racer of the Meet" einbrachte. Leider mussten zwei Rennen wegen Zeit- und Materialproblemen ausgelassen werden. Das Euro-Championat wurde mit Rang 7 (von 23 Teams) abgeschlossen (beim Antritt auf nur einem Rennen mehr - ein Trainingslauf haette genuegt - waere Platz 4 in der EM möglich gewesen), und mit einer Zeit von 6.004 bei 359 Km/h kann sich das "PETER SCHOEFER DRAG RACE TEAM" ruehmen den schnellsten TA/D mit Small Block Motor in Europa zu besitzen.

Und dann kam die Geschichte mit dem Flugplatz "Ellermuehle". Bei einer Show-Veranstaltung lief der TAD aufgrund der Bahnbeschaffenheit aus der Spur, Pat ist kaum was passiert, aber das Auto hat die Geschichte nicht so gut verkraftet. Das war natürlich eine dicke Packung für das kleine Team, denn selbst ein mehrfacher Europa-Champion ist in Deutschland finanziell doch sehr auf sich selbst gestellt.

Doch das Team schaffte es. Der Dragster wurde komplett neu aufgebaut und Peter Lantz (Schweden) schickte den reparierten Rahmen mit den Worten "Peter, please don’t crash me again" zurück.

In den beiden folgenden Jahren bestritt das Team alle FIA-EM-Läufe und konnte sich somit für die Saison 1998 und 1999 eine drei auf den Spoiler kleben, denn beide male gab es nur zwei Teams die besser waren. Peter und sein Team arbeiteten hart daran, was im September 1998 endlich Wirklichkeit wurde. Die erste 5-er Zeit mit einem Small-Block in Europa.

In der Rennsaison 1999 gab es immer wieder Probleme, mit der Zündung, wie sich dann herausstellte. Als das Problem erkannt war lief er wieder seine 5,99 oder 6,00-er Zeiten. Peter Beck (Fahrer des TopFuel Teams Switzerland) bezeichnete Pat als schnellsten E.T.-Fahrer Europas. Doch immer wieder zwangen Tire-Shakes (vor allem in Santa Pod) Peter dazu, Rennläufe abzubrechen um Unfälle zu vermeiden. Bei diesem Phänomen ist die Kraft auf die Hinterachse, insbesondere am Start, so enorm, dass die Reifen sich verformen und sie beginnen sich aufzuschaukeln. Doch der Start ist genau die Stärke des Smallblocks, der um knapp zwei Liter kleiner ist als die Bigblocks der Konkurrenz.
Ende des Jahres 1999 brachte die Reifenfirma Hoosier neue Reifen (für die Pro-Klassen) auf den Markt, die den Tireshakes standhalten sollten. Skeptisch sah das Team dem ersten Lauf mit dieser Bereifung entgegen, und tatsächlich, diese Unwucht verliert sich irgendwie im Reifen und wird nicht an das Chassis weitergegeben. Doch leider sind die konkurrierenden Fahrzeuge heutzutage im Bereich von 5,8 bis 5,7 sec. Auf der Viertelmeile unterwegs, und Peter Schöfer und sein Team bestehen und bestechen auf den FIA-Läufen immer noch durch ihre Konstantheit, denn die Big-Block-Geschosse sind (warum auch immer) nicht so konstant. Somit stand das Fahrzeug zum Ende der Saison 2000 zum Verkauf. Doch wer glaubte, dass Pat Helm und Fahreranzug an den Nagel hängt, der irrt sich. Für 2001 ist "größeres" geplant, was sich leidglich auf den Motor beschränkt. Denn wer die Schöfers kennt, weiß das Wort "SCHNELLER" scheint eins der wichtigsten Wörter im Leben der Brüder zu sein.

Doch das Jahr 2001 begann für das Team mit einem herben Rückschlag. In der Sylvester-Nacht wurde in der Rennwekstatt in Aich eingebrochen. Der entstandene Schaden warf das Team sehr weit zurück. Doch wer die Schöfers kennt, weiß, daß die sich nicht so schnell unterkriegen lassen. Somit wurde der Kauf des neuen Motors in die Zukunft geschoben und das Chassis, daß Ende 2000 leider keinen Käufer fand, wurde umgebaut. (Näheres zum Umbau und auch Fotos sind unter NEWS zu finden).